Publikationen

„Dilettanten … und zwar sehr gute“
Carl Eduard und Marie Burckhardt-Grossmann im Basler Musikleben des Fin de Siècle

Schwabe Verlag Basel, 2010
Srf. 38.-

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Musikliebhaber greifen immer wieder aktiv in den professionellen Musikbetrieb ein und tragen als Vorstandsmitglieder von Vereinen und Institutionen die Verantwortung für das städtische Konzertleben. Beachtliche Fachkenntnisse, gesellschaftlicher Einfluss und der Wunsch, Kontakte mit Künstlern zu pflegen, sind die Voraussetzungen dafür.
Carl Eduard und Marie Burckhardt-Grossmann liebten die Musik, er spielte sehr gut Geige, sie wirkte im Gesangverein mit und trat gelegentlich solistisch auf. Im Hauptberuf war Burckhardt Jurist, aber als Präsident der Allgemeinen Musikgesellschaft (AMG) gestaltete er das Basler Musikleben um 1900 wesentlich mit.
Um die Jahrhundertwende unternahm die AMG den Versuch, die Gastgeberpflichten gegenüber den Solisten für die Dauer von deren Basler Aufenthalten zu institutionalisieren. Die Kommission bestimmte aus ihren eigenen Reihen jeweils einen sogenannten Herrn du jour, der sich der Solisten anzunehmen hatte.
Für das Ehepaar Burckhardt-Grossmann entstanden aus dieser Aufgabe lebenslange Freundschaften mit Ilona Durigo, Edwin Fischer, Stefi Geyer, Joseph Joachim, Maria Philippi, Max Reger, Rudolf Serkin und vielen anderen, die häufig im Hause Burckhardt-Grossmann komfortabel logierten und nicht selten auch auf materielle Unterstützung zählen konnten. Solche Kontakte ermöglichten die längerfristigen Bindungen berühmter Solistinnen und Solisten an die Konzertorganisationen der Stadt und bildeten die Voraussetzung dafür, dass Basel problemlos mit den grossen Musikzentren Europas konkurrieren konnte.

Über 300 Briefe gewähren seltene Einblicke in die privaten Eigenheiten der Künstler, wie sie sich nach ihren umjubelten Auftritten im familiären Kreise bei den Après Concert-Essen offenbarten. Diese Dokumente werden vor dem Hintergrund einer allgemeinen Geschichte des musikalischen Liebhabertums betrachtet und mit Zeugnissen weiterer Basler Musikmäzene verglichen, unter ihnen Andreas Heusler, Carl Christoph Bernoulli und Friedrich Riggenbach-Stehlin.

 

Elisabeth von Herzogenberg
24 Volkskinderlieder


Carus Stuttgart, 2014
EUR 22, 50

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Die vorliegende Sammlung von Volkskinderliedern für Singstimme und Klavier stammt aus dem kleinen, aber feinen Œuvre von Elisabeth vom Herzogenberg, der Frau des österreichischen Komponisten Heinrich von Herzogenberg. Sie erschien 1889 im Verlag J. Rieter-Biedermann, Leipzig, im Druck. Die nun mit Unterstützung der Internationalen Herzogenberg-Gesellschaft vorgelegte Carus-Neuausgabe präsentiert die Sammlung erstmals mit Einleitung und wissenschaftlicher Kommentierung. Elisabeth von Herzogenberg hatte die 1881 während einer Krankheitsphase komponierten Lieder ursprünglich nur für ihren Freundeskreis bestimmt; die allseits positive Resonanz aber führte zur Veröffentlichung. Keine Geringere als Clara Schumann äußerte über die Lieder: „Wie reizend haben Sie sie gesetzt, die Mutter der Kinder muß eine recht tüchtige Clavierspielerin sein“. Die Sammlung, die sich auch zur Verwendung im Kinderchor eignet, enthält viele in Vergessenheit geratene Melodien, deren Wiederentdeckung sich in hohem Maße lohnt. Angesichts der künstlerisch hochstehenden Bearbeitungen konnte Elisabeth von Herzogenberg gegenüber ihrem Verleger zu Recht von „wirklich wertvollen“ Melodien sprechen, die sich „vom gewöhnlichen Kinderliederschlendrian“ abheben. Die einzelnen Stücke erweisen sich als wahre Kleinode, die den künstlerischen Rang der Verfasserin mehr als nur erahnen lassen.